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8 Zoll Newton auf Zeiss Ib
Montierung

Wie bereits in einem anderen Kapitel abgehandelt, habe ich mir einen 8" Spiegel selbst geschliffen. Dies sollte zunächst nur eine Übung für größere Projekte werden. Inzwischen habe ich mir aber überlegt diesen Spiegel in einen Newton für die Astrofotografie einzubauen. Ausschlaggebend waren hierfür 2 Tatsachen. Erstens ist mein 6" Newton mit seinem sphärischen Spiegel nicht wirklich gut und mein Dobson wegen der Bildfelddrehung auch nur für Kurzzeitbelichtungen wie Mond und Sonne geeignet. Auch ist die Montierung des 6" Netwon eher als wackelig zu bezeichnen.


Spiegelzelle

Für die Spiegelzelle habe ich die Erfahrungen von meinem 12" Dobson einfließen lassen. Da jedoch die Anforderungen an eine 8" Zelle nicht so sehr groß sind wurden einige Vereinfachungen vorgenommen. Anstelle eines Aluminium-Rahmens besteht die Zelle aus zwei 16mm Hartfaser-Platten, welche mit der Oberfräse ausgefräst wurden. Eine entspricht genau dem Innendurchmesser des Tubus und wird in diesem auch montiert. Die zweite Platte ist etwas kleiner und trägt später den Spiegel. Die beiden Platten sind durch das bewährte Zug-Druck-Schraubensystem miteinander verbunden. Über drei M6 Schrauben, welche mit Druckfedern und Flügelmuttern ausgestattet sind wird die Spiegelzelle justiert. Über drei weiter Inbus-Schrauben wird die justierte Zelle dann gegen Verstellung fixiert. Damit ist das System auch beim Transport im Auto recht justierstabil.
In der hinteren, großen Platte befindet sich zentral ein Loch in welches später der Lüfter eingebaut wird. Diesen habe ich vom Schrottplatz. In der Spiegel-Halteplatte sind 4 Löcher mit jeweils 50mm Durchmesser eingebracht, damit die Luft um den Spiegel streichen kann und diesen ausreichend kühlt. Auf der Spiegel-Halteplatte wurden 3 Dreiecke mit jeweils 3 Auflagepunkten beweglich angebracht. In meiner Sammlung aus Alfer-Aluminium-Bauteilen hatte ich zufälligerweise genau die richtige Größe herumliegen, die ich laut PLOP für die Spiegelzelle benötige. Man kann sich die Dreiecke aber auch aus einer dünnen Aluminium-Platte herausschneiden. Der Spiegel wird später auf dieser 9-Punktauflage schwimmend gelagert. Für die seitliche fixierung muß ich mir noch etwas einfallen lassen. Derzeit stehen verschiedene Varianten zur Diskussion.

Die Zelle ist jetzt soweit fertig, daß aich mal probehalber den unbelegten Spiegel eingesetzt habe.

07.09.2004

Heute sind meine, bei Dieter Martini bestellten Rohrschellen angekommen. Diese wurden zunächst genau inspiziert. Sie sind zwar nicht so schön geschliffen wie die von Dirk Mohlitz, aber man hat ja selbst Schleifpapier und preislich sind sie wesentlich günstiger als die von Mohlitz. Ansonsten sind sie maßgenau und gut verarbeitet. Ich kann also jedem eine Anfrage bei Dieter Martini nur empfehlen.Ich habe mich für 2 Rohrschellen mit 258mm Durchmesser und 40mm Breite aus Multiplex-Holz entschieden. Die sollten meinen geplanten Newton ohne Probleme aufnehmen können. Mit im Paker war der als Sonderwunsch bestellte Spiegel-Haltering. Ein Blick auf den Lieferschein versetze mir zunächst einen Schreck, da dort etwas von 200mm Innendurchmesser stanb. Mein Spiegel hatte aber 205mm Durchmesser. Ein Griff zum Lineal beruhigte mich allerdings sehr schnell, da es Gott sei Dank nur ein Schreibfehler im Lieferschein war. Der Ring hatte den korrekten Durchmesser. In den nächsten Tagen werde ich die Rohrschellen noch einem Feinschliff und einer Lackierung unterziehen. Ebenso kommt noch das Halteblech für die Kamera (Piggy-Back) bzw. die Leit-"Russentonne" dran.

Der Tubus

Nach einigen Wochen des Nichtstuns und Bearbeitung anderer Projekte bin ich nun endlich so weit, daß der komplette Tubus zusammengebaut werden konnte.Diesen habe ich bei Gerd Neumann bestellt und er wurde genau nach meinen Spezifikationen angefertigt. Leider ist es mir dabei wieder passiert, daß ich die Position des OAZ falsch berechnet habe. Das zeigt ganz deutlich, daß man lieber seinen Kopf anstrengen sollte anstatt sich blind auf Programme wie MyNewton oder Newtwin zu verlassen. Das entstandene Loch werde ich dann mit der Halterung für den ASCOM-Motorfokussierer (anderes Selbstbauprojekt) verschließen oder vielleicht sogar gleich einen Okularschlitten aufbauen. Dann aitzt wenigstens die Kamera nicht so weit vom Tubus weg. Die Fangspiegelspinne wurde aus einem 15x15x15mm Alu-Würfel und die Streben aus Stahlband hergestellt, welches bei EURO-Paletten zum Befestigen der Beladung verwendet wird. Dieses ist 15mm breit und etwa 0,7mm stark. Der Tubus ist innen noch nicht geschwärzt, aber ich konnte so schon einen Test des Selbstschliffspiegels am Stern machen.

 

Prismenschiene und Rohrschellen

Als nächstes galt es das Problem einer geeigneten Prismenschiene für meine Zeiss 1b Montierung zu lösen. Ein Blick in die Preislisten der deutschen Astrohändler brachte allerdings Ernüchterung. Mehr als 60 Euro für eine einfache Aluminium-Prismenschiene hielt ich einfach für Wucher. Also führte mich mein Weg wieder auf den Schrottplatz. Dort fand ich nach kurzem Suchen auch gleich ein Alu-Vierkant-Profil mit den Maßen 40x15x600mm. Kostenpunkt 0,40 Euro! Als nächstes Problem stand das Fräsen der abgeschrägten Kanten. Diese sind in einem Winkel von 60° angestellt. Das Ganze konnte ich preisgünstig (1 Päckchen Kaffee) bei einem befreundeten Metallfachmann und Astrofreund erledigen lassen. Alternativ ist bestimmt auch jede Lehrwerkstatt dazu bereit und die Lehrlinge machen mal was Sinnvolles. So hatte ich für knapp 3 Euro meine Prismenschiene. Die Bohrungen für die Befestigung derselben an den Rohrschellen kann man sich einfach selber bohren.

Leider erwies sich das Holzbrett auf welches ich die Schiene Montierte als nicht sehr verwindungsstreif. Deshalb habe ich diese durch eine 12mm starke ALU-Platte ersetzt (ebay 12.-Euro)

Der Spiegel wurde in der heimischen Küche selbst versilbert. Die Chemikalien kosten im Handel etwa 25 Euro. Bei ebay bekommt man Silbernitrat allerdings schon deutlich preiswerter. Die entstandene Silberschicht ist zwar nicht so haltbar und nicht so homogen wie eine Alu-Bedampfung, aber dafür schnell und einfach herstellbar. Außerdem benötigt man für den Sterntest mit unbelegten Spiegel bei 8" Durchmesser schon einen sehr hellen stern um wirklich ein aussagekräftiges Bild zu bekommen.
Leider habe ich das Glas anscheinend nicht gründlich genug gereinigt. An einigen Stellen löste sich die Verspiegelung schon nach einigen Tagen.

 

In der Zwischenzeit wurde meine Zeiss 1b-Montierung auf Schrittmotoren umgebaut. Damit war dann alles für das Firstlight bereit

 

Firstlight

Am 21.Dezember 2004 war es nun endlich soweit, daß mein komplettes System mit küchenversilbertem-Selbstschliffspiegel Firstlight hatte. Das Seeing war zwar nicht optimal und der Mond störte ziemlich, aber ich wollte einfach nicht mehr warten. Also wurde alles im Hof aufgebaut und zunächst der GOTO-Betrieb mittels Boxdörfer Steuerung MTS-3SDI und dem PC-Programm Starrynight 4 getestet. Nachdem festgestellt wurde, daß bei der Berechnung der Parameter für den DEC-Motor ein Fehler unterlaufen war wurde dieser noch Korrigiert und GOTO lief prima.
Als Ausgangsstern verwendete ich Beteigeuze im Orion. Von dort aus lies ich das Teleskop per GOTO auf Saturn in den Zwillingen fahren. Saturn war nach Beendigung des Vorgangs noch im Gesichtsfeld des 32mm TS-WA Okulars. Ein Feintuning an den Parametern ist anscheinend noch angesagt.

Dann wurden einige Sterne zwichen 6. und 9. Größenklasse mit einem 6mm TS-WA Okular betrachtet. Zeitweise konnte man sogar das Beugungsscheibchen erahnen. Es war ein Punkt und ein Ring zu sehen. Ein 2. Ring war kaum noch zu erkennen. Ich werde das Ganze aber bei besserem Seeing und vor allem ohne Mondlicht nochmals durchführen.

Nun wurde die ToUCam (unmodifiziert) anbebracht und der Saturn in den PC gesaugt. Anschließend wurde das Bild mit Giotto und Photoshop bearbeitet. Fazit: Mit der Abbildungsleistung meines Erstlings-Selbstschliffes bin ich voll zufrieden.