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12" Dobson Eigenbau

 

Um auch im Deep-Sky Bereich etwas mehr Durchblick zu haben traf ich den Entschluß mir einen 12" Dobson zu bauen. Zunächst stand die Frage Selbstschliff oder kaufen.
Da ich jedoch noch absolut keine Erfahrungen mit dem Schleifen von Spiegeln, schon gar nicht von so großen habe, allerdings auch nicht einen fertigen Dobson kaufen wollte mußte eine andere Lösung her. Also eine Kombination aus beiden. Nach einigem Suchen im Internet fand ich einen 12" Spiegel inclusive Fangspiegel für 300.- Euro. Dieser Spiegel hatte allerdings einen Strehl von 0,57! Nachdem ich mir das Prüfprotokoll des Herrn Rohr zu diesem Spiegel angeschaut habe, bemerkte ich die Unterkorrektur der Optik. Dennoch entschloß ich mich den Spiegel zu kaufen. Zum einen war der Preis verlockend und zum anderen werde ich ihn später, wenn ich dann etwas Erfahrungen beim Spiegelschleifen gesammelt habe nochmal parabolisieren und neu beschichten lassen. Dann sollte das Problem des niedrigen Strehl erledigt sein.

Es ging nun, da ich den Spiegel hatte an den Bau des Teleskops um den Spiegel herum. Zunächst habe ich erst mal Pläne gemacht wie das Teil denn auszusehen hat.
Der Spiegel selbst ist sehr flach (24mm) was sich zum einen gut auf die Auskühlzeit auswirkt, zum anderen jedoch eine höhere Anforderung an die Spiegelzelle stellt. Diese sollte dann auch der erste Bauabschnitt werden. Ich habe mich aufgrund der Dicke des Spiegels für eine 18 Punkt Auflage entschieden. Die Berechnungen herzu habe ich mit Plop durchgeführt.

Die Spiegelzelle

Als Grundkonstruktion wurde ein Dreieck aus Alfer-Aluminium-Profilen gewählt. Diese gibt es in jedem halbwegs guten Baumarkt zu kaufen. Die Schenkel wurden mit 2,5mm Aluminium-Trapezen, welche ich mit einer Stichsäge ausgeschnitten habe, zu einem gleichseitigen Dreieck vernietet. Auf die Schenkel des Dreiecks werden nun 3 Wippen aus Aluminium-U-Profil aufgesetzt. Alle Maße hierfür kann man wie bereits erwähnt mit PLOP berechnen. Insbesondere die Länge der Wippen sollte genau stimmen.

Auf diesen Wippen sind dann je 2 Dreiecke mit den eigentlichen Auflagepunkten beweglich aufgesetzt. Auch die Form dieser Dreiecke (gleichschenkelig) ist durch PLOP vorgegeben.

Durch die Trapeze mit denen die Schenkel der Zelle zusammen gehalten werden wurden M8-Schrauben mit starken Federn gezogen. Durch diese erfolgt dann später die Kollimation des Hauptspiegels.

Inzwischen sah die Spiegelzelle schon recht ansehnlich aus. Die Dreiecke waren alle montiert. Es fehlten nur noch die eigentlichen Spiegelhalter und die Auflagepunkte.

Ich habe mich entschlossen die Auflagepunkte des Innenringes aus Gummi und die des Außenringes aus Filz zu machen. Hierdurch erhoffe ich mir eine zusätzliche Stabilität des Spiegels gegen verrutschen. Ob es funktioniert weiß ich allerdings zur Zeit noch nicht.

Um den Spiegel seitlich sicher zu halten verwende ich Aluminium Vollmaterial 25x12mm. Diese Halterungen werden mit einer zentralen M6-Schraube und einer Sicherungsmutter Auf die Ecktrapeze aufgesetzt. Die Höhe jeder einzelnen Halterung wurde vorher mit aufgelegtem Spiegel genaustens per Meßuhr ausgemessen. Damit soll verhindert werden, daß der Spiegel später unter Spannung gesetzt wird wenn die Haltekrallen aufgesetzt werden.

Wie auf den Bildern schon zu sehen ist hatte ich inzwischen auch einen Tubus incl. Rockerbox eines Deep Space Explorer Deluxe für 80.-Euro bei eBay erstanden. Die Bilder zeigen die Spiegelzelle mit Spiegel auf der Trägerplatte des DSE-Tubus. Die Spiegelhalter wurden auf der Oberseite mit je 2 Bohrungen und M4 Innengewinde versehen. Außerdem wurde die Kontaktstelle zum Spiegel mit Filz beklebt.

Mit M4 Senkkopfschrauben wird nun auf die Spiegelhalter die eigentliche Halte-"Kralle" aufgesetzt. Auch diese ist an der Unterseite mit dünnem Filz belegt um die Spiegeloberfläche nicht zu beschädigen. Die Auflagedreiecke wurden mit den Filz- und Gummiauflagen beklebt. Der Spiegel eingesetzt und die "Krallen" angeschraubt. Da die Höhe der 3 Halterungen genau (auf 1/10 mm) ausgemessen wurde sitzt der Spiegel relativ fest, aber dennoch ohne erkennbare Verspannungen.

 

Die Fangspiegelhalterung

Als nächster Schritt stand die Konstruktion und der Bau der Fangspiegelhalterung an. Nach einiger Zeit der Suche im Internet stieß ich auf eine Lösung die mir recht einfach zu realisieren und dennoch recht robust zu sein.

Insgesamt besteht die Fangspiegelspinne aus 4 Einzelteilen( Bild rechts). Es wurden aus Aluminuim Vierkant-Profil zunächst 2 Stücke a 35mm Länge zurecht gesägt (Querstege).
Diese Teile wurden dann zentral mit einer 9mm Bohrung versehen. Durch diese wird später die Zentrale Schraube der Fangspiegelhalterung geführt. Weiterhin wurden im oberen Quersteg 2 Bohrungen mit 6,5mm Durchmesser gebohrt und zusätzlich seitlich eine M6 Inbusschraube zur Fixierung der Fangspiegelhalterung eingesetzt.

Die Arme der Spinne wurden ebenfalls wieder aus Standard-Teilen aus dem ALFER-Programm (2x 90° Winkel mit Mitteldurchführung) und 0.8mm Aliminium-Streifen (Streben) hergestellt. Diese Streben sind an die Winkel angenietet.

An die Enden der Streben wurde eine M8-Schraube (abgesäht und mit Schlitz versehen) angenietet. Diese wird später duch die Tubuswand gesteckt und von außen mit einer Mutter gespannt.

Nun braucht alles nur noch zusammen gebaut werden. Dies geschieht der besseren Optik wegen mit zwei M6 Inbusschrauben. Schon ist die Spiegelzelle fertig. Gesamtkosten etwa 20 Euro an Material und für den versierten Bastler etwa 3 Stunden Arbeit.

Abschließend wurde zum Test noch der Fangspiegel eingesetzt. Diesen sollte man unbedingt noch mit einer Mutter gegen das Durchrutschen sichern. Zwar wird die Achse durch die seitliche Schraube im oberen Quersteg gehalten, lockert sich diese allerdings, dann rutscht die Achse heraus und schlägt im ungünstigsten Fall (nach Murphy jedoch mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit) auf den Hauptspiegel.

Nun wurde der 2" Okularauszug eingebaut. Leider konnte ich das ursprüngliche Loch nicht verwenden, da vormals ein F/5 Spiegel mit 40mm Dicke eingebaut war. Mein F/5,3 paßte also nicht recht. Ich habe eine Aluminium-Platte darauf gesetzt auf welcher ich den Telrad-Sucher befestigt habe und ein neues Loch gebohrt.

Das rechte Bild zeigt die Unterseite mit den 3 Lüftern für die Tubusbelüftung. Unter der oberen Kollimationsschraube ist die Buchse für die Stromversorgung zu erkennen.

Inzwischen wurde der Tubus noch einer kleinen farblichen änderung unterzogen. Leider hat man auf dem Weiß jeden Fingerabdruck gesehen, sodaß ich mich genötigt sah hier etwas zu ändern. Bei dieser Gelegenheit habe ich auch gleich noch die Schutzgitter auf die Lüfter gebaut und die Spiegelzelle etwas modifiziert. Es wurden zusätzlich zu den Zugschrauben für die Spiegeljustage noch 3 M6-Schraiben eingebaut, welche von unten gegen die Spiegelzelle drücken. Damit ist eine Arretierung derselben möglich und der Dobson wird wesentlich stabiler gegen Dejustage. Außerdem wurde noch das Montageblech für den Telrad etwas verkleinert.