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Montierung scheinern

Um bei der Astrofotografie saubere Bilder zu bekommen, ist es nötig die Rektaszenionsachse (RA) der Montierung exakt auf den Himmelsnordpol, also exakt parallel zur Erdachse auszurichten. Geschieht dies nicht, so bewirkt die Eddrehung und die damit verbundene scheinbare Bewegung der Sterne am Himmel eine verschiebung der Sterne im Gesichtsfeld. Langzeitaufnahmen sind damit nicht mehr möglich. Doch wie kann man dies bewerkstelligen.
Moderne Montierungen bieten bereits ein eingebautes Polsucherfernrohr. Dieses kann je nach Geldbeutel auch beleuchtet sein. In ihm ist eine Glasplatte mit den Sternen in der Nähe der Polregion eingebaut. Man muß nun nur noch die entsprechenden Sterne mit den Markierungen im Polsucher zur Deckung bringen. Diese Einnordung allerdings nur angenähert genau. Sie ist zwar schnell zu errecihen, benötigt aber meistens eine automatische Nachführung (z.B. Leitfernrohr oder Off-Axis-Guider) da sich die Sterne bei längeren Belichtungen immer noch bewegen.
Wer seine Montierung fest installiert hat solte diese mit der Scheiner-Methode ausrichten. Diese ist zwar etwas zeitaufwendiger, hat jedoch den Vorteil, daß sie wesentlich genauer ist. Man kann sagen, daß bei einer perfekt gescheinerten Montierung und einer genauen RA-Nachführung keine weitere Nachführung nötig ist. Da meist ein Schneckenfehler auftritt ist dies jedoch nin der Praxis nicht realisisrbar. Ich habe aber schon mit meiner Montierung Langzeitbelichtungen von 5 Mniuten ohne Guiding aufgenommen.

Wie funktioniert es

zunächst ist dafür zu sorgen, daß die Montierung auf festem Untergrund steht! Mit Hilfe einer Wasserwaage, besser einer Dosenlibelle wird die Montierung in die Waagerechte gebracht. Dann die beiden folgenden Schritte ausführen. Zum 'Scheinern' werden zwei ausreichend helle Sterne benötigt.

  1. Zunächst wird ein Stern im Süden (Meridiannähe) etwa in Höhe des Himmelsäquators gewählt . Dieser wird genau im Fadenkreuzokular zentriert. Die Nachführung der Rektaszensionsachse wird eingeschaltet. nun wird beobachtet, wie sich der Stern im Fadenkreuz bewegt. Hier gibt es zwei Möglichkeiten:

    1. Der Stern wandert nach oben (umgekehrtes astronomisches Fernrohr) : Die azimutale Achse muß etwas nach Westen gedreht werden (gegen den Uhrzeigersinn)

    2. Der Stern wandert nach unten (umgekehrtes astronomisches Fernrohr) : Die azimutale Achse muß etwas nach Osten gedreht werden (mit dem Uhrzeigersinn)


    Dieser Vorgang wird solange wiederholt bis der Stern nach einer Nachführdauer von etwa 20 Minuten keine nennenswerte Bewegung nach oben oder unten mehr macht.

  2. Als nächstes wird ein Stern am Osthimmel anvisiert und ebenfalls im Fadenkreuzokular zentriert. Auch hier wird wieder die Bewegung des Sternes im Okular über eine Längere Zeit beobachtet.

    1. Der Stern wandert nach oben (umgekehrtes astronomisches Fernrohr) : Die Polchse muß etwas unten gekippt werden

    2. Der Stern wandert nach unten (umgekehrtes astronomisches Fernrohr) : Die azimutale Achse muß etwas oben gekippt werden


    Alternativ kann man auch einen Stern am Westhimmel auswählen. Hier ist jedoch die Ausrichtung anders herum.

    1. Der Stern wandert nach oben (umgekehrtes astronomisches Fernrohr) : Die Polchse muß etwas unten gekippt werden
    2. Der Stern wandert nach unten (umgekehrtes astronomisches Fernrohr) : Die azimutale Achse muß etwas oben gekippt werden

    Auch hier wird der Vorgang solange wiederholt bis der Stern etwa 20 Minuten keine merkliche Bewegung im Okular ausführt.

Man wird anhand der Zeitangaben feststellen , daß die Prozedur etwas zeitaufwendig ist. Das ist sie allerdings nur beim ersten mal. Beobachtet man immer vom selben Breitengrad aus und hat an seiner Montierung eine Dosenlibelle zur exakten waagerechten Aufstellung so kann man auf eine Ausrichtung der Polhöhe (Schritt 2) verzichten. Bleibt also nur noch die Azimutale ausrichtung um die man nicht herum kommt. Die Dauer der azimutalen Ausrichtungsprozedur kann verkürzt werden, wenn manschon vor dem Scheinern ziemlich genaiu die richtige Richtung hat. Dies funktioniert recht gut mit den bereits oben erwähnten Polsuchern. Nun gibt es aber Montierungen (meine zum Beispiel) die verfügen nicht über einen Polsucher. Ebenso wird man ihn bei Gabelmontierungen vermissen. Hier gehe ich einen anderen Weg. Ich richte die Polachse mit dem Telrad-Sucher aus.

Grobausrichtung auf den Pol mit Telrad-Sucher

Zunächst betrachten wir uns das Bild welches sich bei exakter ausrichtung des Telrad-Suchers auf den Himmelsnordpol bietet.

Man stellt fest, daß 2 Sterne ziemlich genau auf dem 2. Kreis des Telrad liegen. Dies ist zum einen Lambda UMi und zum anderen HIP7283. Beide Sterne sind etwa 6mag hell. Damit wird es allerdings unter Stadtbedingungen schwierig diese zu finden. Da ich jedoch immer einen Dunklen Beobachtungsplatz zum Fotografieren suche ist es eine Methode mit welcher ich recht gute Erfolge habe. Das Scheinern dauert dank dieser Grobausrichtung nur noch etwa 45 Minuten. Die Ansicht der Polregion dreht sich natürlich im Laufe der Jahreszeiten. Ich habe aber auf Michael Königs Website das Programm Polsuch.exe gefunden mit dem man sich die Ansicht der Polregion berechnen lassen kann. Das gibt es auch für den Palm.