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Spiegelselbstschliff

 

Die Politur

Nachdem nun auch der Feinschliff fertig gestellt wurde, soll es nun an die Politur gehen. Hierzu muß zunächst erst einmal eine Pechhaut her. Normalerweise nimmt man hierzu das Schleiftool. Da dies jedoch mein erster Spiegel ist und ich nicht weiß, ob ich eventuell doch noch mal aus irgendwelchen Gründen zum Feinschliff zurück muß, habe ich mich entschlossen ein, separates Poliertool herzustellen. Also wurden schnell noch mal 2 Fliesen mit der Flex zurechtgeschnitten und zu einem Sandwich-Tool in Spiegelgröße verkittet.
Im Baumarkt habe ich mir eine Auto-Fußmatte aus Gummi besorgt. Die darin eingeprägte Wabenstruktur soll auf meine Pechhaut übertragen werden. Es hat etwas Überzeugungsarbeit gekostet, aber letztendlich habe ich meine Frau dann doch überreden können den Herd in unserer Küche zur Pechhaut-Herstellung zu nutzen.
Zunächst wurde die Arbeitsfläche mit Alu-Haushaltsfolie ausgelegt und das Arbeitsmaterial bereitgestellt. Das Pech habe ich in einem kleinen Topf im Umluftherd bei etwa 120°C geschmolzen. Das hat den Vorteil, daß es nicht anfängt zu kochen und spritzt. Es ist wirklich die sauberste Variante, die auch kaum stinkt, jedenfalls habe ich nichts gerochen. Wird das Pech auf einer Kochplatte erwärmt, so kommt die Wärme direkt von unten und ist außerdem schwer steuerbar. So kann es unten im Topf schon sieden und oben ist noch nichts geschmolzen. Umluft ist da eine feine Erfindung.

Nun da das Pech geschmolzen war und in etwa die Konsistenz von frischem Honig hatte, konnte der Guß losgehen. Damit die Pechhaut schon in etwa die Wölbung des Spiegels hat, wurde dieser unter die Automatte gelegt. Dann das Pech vorsichtig darauf gegossen und das entfettete (mit Alkohol) Tool darauf gepreßt. Dann warten bis das Ganze erkaltet ist.

Auf der Vorderseite ist etwas viel Pech herausgedrückt worden. Naja dafür, daß es der erste Versuch war bin ich ganz zufrieden. Beim vorsichtigen Ablösen der Automatte stellte ich fest, daß sich kleine Pechsplitter lösten. Deshalb beschloß ich diese Prozedur in der Garage zu erledigen. Wie Stathis in seinem Spiegelschleifvideo schon anmerkte , kann ein kleiner Splitter Pech, der irgendwo auf den Boden fällt eine ganze Wohnung versauen. Ich glaub ihm das unbesehen.
Da nun die Matte abgelöst war konnte der Rand mit einem Messer bearbeitet werden. Einfach das überstehende Pech mit einem scharfen Messer abschneiden. Fertig ist die Pechhaut.
Mir fiel dann nur mit Schrecken auf, daß ich in der Eile vergessen habe den Rand des Tools zu versiegeln. Dies wird aber noch nachgeholt. Ich möchte ja nicht, daß ich meine Spiegeloberfläche mit einem kleinen Sandkörnchen aus dem Fliesenkleber verunstalte.

 

22.05.2004
Inzwischen sind 2 Stunden Politur verstrichen und die Oberfläche schaut schon ziemlich glatt aus. Unter dem Okular erkennt man jedoch noch jeder Menge Reste des Feinschliffs. Es sind aber schon deutlich weniger geworden. Ich schätze, daß der Spiegel so in weiteren 4-5 Stunden auspoliert sein dürfte. Beim Polieren habe ich abwechselnd TOT und MOT poliert, damit auch der so wichtige Spiegelrand gut auspoliert wird und nicht zurück bleibt. Im Moment habe ich aber den Effekt, daß die Spiegelmitte weniger stark poliert ist als der Rand. Dieser ist also schon weiter.
Da nun die Spiegeloberfläche schon schön glänzt habe ich mal meinen Foucault-Tester bemüht um herauszufinden, ob der Spiegel schön spärisch ist. Also erst mal den Fokus suchen und dann langsam die Messerschneide von rechts in den Fokus geschoben. Wenn der Spiegel sphärisch ist, sollte sich die Spiegelfläche schlagartig verdunkeln. In der Realität ist dies aber recht schwer zu bewerkstelligen. So verdunkelte sich der Spiegel nicht schlagartig, sondern im Bereich von 0,2mm seitlicher Bewegung der Messerschneide. Man kann aber sagen, daß dies quasi schlagartig ist. ;-)
Ich habe versucht in diesem recht schmalen Bereich vier Bilder zu machen. Hier das Ergebnis:

Es ist auf jeden fall kein Parabelschatten zu erkennen und auch grobe Oberflächenunebenheiten kann ich nicht erkennen. Vielleicht fehlt mir aber auch die Übung. Am rechten oberen Spiegelrand sind allerdings ein paar Kalkflecken vom Spiegelabspülen zu sehen. Hatte ihn nur kurz unter fließendem Wasser nach dem Polieren abgespült. Auf dem 2. Bild glaubte ich in der Mitte eine Erhöhung zu erkennen. Diese entpuppte sich jedoch als Reflektion meines Spiegelbildes an der Spiegelrückseite.

01.06.2004
Nachdem das Polieren nicht so recht vorwärts ging habe ich mich entschlossen, meine Pechhaut ein wenig zu verfeinern. Ich habe mir aus dem Baumarkt ein Fliegengitter besorgt und es beim Warmpressen zwischen Spiegel und Pechhaut gelegt. Dadurch wird in die Pechhaut eine Mikrostruktur geprägt, welche für eine bessere Verteilung des Poliermittels sorgt.
Dies hatte zur folge, daß die Pechhaut wesentlich schneller poliert als vorher. Nach insgesamt 8 Stunden Polierzeit war der Rand völlig auspoliert. Leider hatte ich das Gefühl, daß die Mitte nicht richtig poliert, da diese immer etwas zurück blieb. Ich habe versucht TOT mit 2/3 strichen und relativ großem Überhang zu polieren um die Mitte besser anzugreifen. Nach etwa einer halben Stunde habe ich dann mal meinen Foucaulttester bemüht und konnte einen Zentralberg ekennen. Leider scheint auch meine Sphäre ziemlich hin zu sein. Dafür schaut jetzt aber auch die Spiegelmitte ziemlich gut aus. Ich werde mal im Forum nachfragen, wie ich die Foucaultbilder zu deuten habe. Vielleicht ist es ja nicht so schlimm, wie es aussieht.

20.06.2004
Inzwischen hatte ich begonnen zu parabolisieren. Leider habe ich mich dabei an die Zeitangaben auis dem Buch von Martin Trittelvitz gehalten und übersehen, daß er anscheinend anstelle Ceroxid mit Polierrot arbeitete. Da das Ceroxid jedoch schneller arbeitet als das Polierrot waren die Zeiten viel zu lang. Als ergebnis hatte ich mir anstelle einer Parabel eine mächtige Hyperbel eingehandelt. Laut FigureXP sollten für meinen Spiegel die maximalen Schnittweitendifferenz am Rand bei etwa 1,7mm liegen. Bei mir waren es nahezu 15mm!!!! Das hat mir natürlich erst mal einen mächtigen Schreck eingejagt und mich ziemlich deprimiert. Das Übel ist HIER zu sehen.

28.06.2004
Inzwischen habe ich wieder Vertrauen zu meiner Scheibe. Ich habe mich entschlossen erst mal wieder in richtung Sphäre zu kommen. Deshalb habe ich erst mal das gesamte Niveau auf die Mitte herunter abgetragen. Die Tortur hat nahezu 3 Stunden gedauert. Leider habe ich mir dabei allerdings wieder einen Zentralberg und einen abgefallenen Rand eingehandelt. Nun muß ich nur noch die weg bekommen und neu parabolisieren.

30.06.2004
Durch 1/3-1/4 zentrale Striche MOT und etwas Nacharbeit mit dem kleinen Tool bin ich wieder ein Stück näher an die Sphäre herangekommen. Der Zentralberg wird immer kleiner und ist nur noch schwer im Foucaulttest zu erkennen. Nur gut, daß ich die Aufnahmen mit der Digicam mache. Damit ist es möglich den Kontrast zu erhöhen und somit den Test wesentlich empfindlicher zu machen.
Sorgen macht mir allerdings die Kante des Spiegels.
Zum Prüfen der Kante habe ich mal eine Spachtel vor den Spiegel gelehnt. Ist die Kante so hell wie die Beugungserscheinungen am Rand der Spachtel, so sollte die Kante eigentlich OK sein. Leider ist dies nicht der Fall. Die Kante ist leicht abgefallen. Auch ein breiterer abfallender Randbereich ist auf dem ertsen Bild zu erkennen. Vielleicht kann ich das ganze beim Parabolisieren in die Parabel integrieren.

05.07.2004
Ich habe Urlaub. Leider ist das Wetter nicht unbedingt dementsprechend und ich habe so die Möglichkeit nun verstärkt an meinem Spiegel zu arbeiten.
Die Qualität der Bilder täuscht über die Tatsache hinweg, daß ich massive Schwierigkeiten habe, durch den Sucher meiner Digicam die Zonen genau zu erkennen. Es ist alles zu dunkel. Also lautet der Beschluß, daß es heller werden muß. Die grüne LED wurde durch eine ultrahelle weiße LED ersetzt. Jetzt bereitet es mir keine Probleme mehr die Zonen zu erkennen. Auch die Belichtungszeit konnte von 3 Sekunden auf 1/20 Sekunde verkürzt werden. Damit war der Weg zur effektiven Zonenmessunge geebnet und ich konnte mit dem erneuten Parabolisieren beginnen.

06.07.2004
Nach etwa 5 Minuten mit W-Strichen (Parabolisierungs-W) wurde die Mitte wieder vertieft. Im Foucault-Test wurde das Ergebnis begutachtet. MIST! Schon wieder ein Loch in der Mitte. Aber diesmal wesentlich kleiner als beim ersten Versuch. Die Zentrale Zone meiner Gouder-Maske, in welcher sich das Zentrale Loch befand wird später eh vom 50mm Fangspiegel verdeckt. Darum entschloß ich mich diese Zone nicht in die Messung mit einzubeziehen. Stattdessen wurde mit der zweiten Zone begonnen und diese als Bezugspunkt verwendet. Das Ergebnis sieht in FigureXP dann so aus:

07.07.2004
Die überhöhte Zone bei 70% wird mit einem Subdiameter-Tool (40%-Spiegeldurchmesser) bearbeitet. Ich mache zentrale Striche von der Mitte des Spiegels mit zunehmendem Druck nach außen. Wenn das Tool über die kante fährt wird der Druck weggenommen. Das Ganze habe ich etwa 5 Minuten gemacht und dann mit unregelmäßigen Strichen eventuell entstehende Zonen beseitigt. Das Ergebnis sah im Foucault-Test allerdings weniger erfreulich aus.


Es könnte natürlich auch sein, daß meine erste Zonenmessung vielleicht zu ungenau war und zufällig näher ans Optimum kam als die zweite. Ich denke mit zunehmender Messanzahl steigt dann die Routine und die Messfehler nehmen ab. Weiterhin habe ich mit ein weiters Subdiameter-Tool mit 25% des Spiegeldurchmessers gemacht. Damit erhoffe ich mir gezieltere Zonenretuschierungen.
Ich habe auch gleich mal ein paar Aufnahmen von der Zonenmessung unter verwendung der neuen LED gemacht.

Zone 2

Zone 3

Zone 4

08.07.2004
Die Bearbeitung mit dem kleinen Tool funktioniert recht gut und sehr zielgerichtet. Es ist mir gelungen die Kurve weiter zu verbessern. Ich habe nur 5 Minuten mit dem kleinsten Tool die 70% Zone mit w Strichen entsprechend der Anleitung auf Seite 83 in Martins Buch bearbeitet. Anschließend wieder die obligatorischen unregelmäßigen Striche für etwa 1-2 Minuten um Zonenfehler auszugleichen. Ich schätze, wenn ich nicht noch irgend einen dummen Fehler mache dann dürfte mein Spiegel noch dieses Wochenende fertig werden. Der Strehl liegt im Moment schon über 0,9.

Schließlich dann am 25.08.2004 der entgültige Erfolg.

Jetzt gab es nur noch eines:

Tool weglegen und bloß nix mehr anfassen.

Jetzt kann nur noch verschlimmbessert werden.